Therapeutische Maßnahmen zur effektiven Stress-Prävention

Wenn eine Chronische Stressbelastung infolge eindeutiger diagnostischer Befunde gesichert ist, sollte eine individuell adaptierte, in der Regel breitgefächerte Präventiv-Therapie eingeleitet werden.
Sie hat zum Ziel, die Entwicklung eines Burnout-Syndroms oder anderer ernster Chron.Stress-Erkrankungen zu verhindern.


Grundvorraussetzung ist zunächst die Erkenntnis , dass eine Fortsetzung des bisherigen Lebensmusters mit den damit verbundenen Belastungen einen zwingend  krankmachen-den und lebensverkürzenden Charakter hat.

Ohne diese Erkenntnis und die Bereitschaft, einen neuen, die Gesundheit erhaltenden , bezw.fördernden Weg einzuschlagen, sind alle anderen präventiv-therapeutischen Massnahmen in der Regel nur Stückwerk und können die Abwärtsspirale nicht stoppen. Nachdem die Stressreaktion des Organismus ein äußerst komplexes Geschehen ist, sind auch die notwendigen präventiv-therapeutischen Maßnahmen komplexer Natur,was den Betroffenen eine hohe Motivation und die damit verbundene Disziplin abverlangt.

Dies setzt ein tieferes Verständnis jener Vorgänge voraus, die mit chronischen Stressbelastungen verbunden sind. Gemeint sind hiermit krankheitsfördernde Verhaltensmuster, die Quelle bestimmter, pathologischer Laborparameter, die Bedeutung genetischer oderepigenetischer Variationen, Kenntnisse zu den positiven und negativen Anpassungsvorgängen unseres Gehirns (Neuroplastizität), Kenntnisse zur Bedeutung einer Stress-adaptierten Ernährung, der Bedeutung körperliche Aktivierung und der unterschiedlichen Techniken, mit denen wir unser Gehirn wieder in einen so genannten „Wohlfühlzustand“ bringen können. Diese Kenntnisse werden z.B. im Rahmen unseres 3-teiligen Präventivprogrammes während des 3-tägigen Stress-Seminars am Tegernsee vermittelt.

Eine wirksame Prävention Chronischer Stress-Erkrankungen setzt sich aus folgenden Teilen zusammen :

  1. Medikamentöse Therapie
  2. Änderung des bisherigen Lebensmusters
  3. Ernährungsumstellung
  4. Körperliche Aktivierung
  5. Downregulation der Überlastung des Zentralnervensystems (ZNS)
  6. Neurofeedbacktherapie - optional
  7. Coaching - Therapeutische Intervention  - optional

Die Medikamentöse Therapie

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Die medikamentöse Therapie mit überwiegend natürlichen Substanzen ist wichtig, hilfreich und notwendig, besonders wenn es um den Ausgleich erheblicher Mangelzustände und die Neutralisation oxidativer, zelldestruktiver Prozesse geht. Gerade auch der Einsatz von Stoffen, die die Hyperaktivität des Zentralnervensystems (ZNS) und damit die chronische Stressreaktion des ZNS reduzieren können, ist hier von entscheidender Bedeutung. Immunstimulierende Substanzen müssen besonders bei Patienten mit erhöhter Infektanfälligkeit eingesetzt werden, obwohl sie in der Regel nur unzureichend fähig sind, die negativen Einflüsse einer chronischen Aktivierung des Sympathischen Nervensystems ( SNS)  auf das Immunsystem tatsächlich zu beseitigen, denn eine Normalisierung der Immunfunktion kann letztlich nur durch Methoden erreicht werden, die der chronischen, immundestruktiv wirkenden Sympathicus-Aktivierung ein Ende setzen.

Besonders bedeutsam ist die Behandlung von Schlafstörungen, die ja der notwendigen Regeneration des Zentralen Nervensystems im Wege stehen. Auch stressbedingte Hormon - Dysbalancen sollten ausgeglichen werden und können ganz wesentlich zu einer Befindensverbesserung beitragen. Das gleiche gilt für häufig vorzufindene Verdauungsstörungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Viele der Patienten können schon allein durch medikamentöse Therapie eine wesentliche Verbesserung ihres Befindens und eine Steigerung ihrer körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit erfahren.

Änderung des bisherigen Lebensmusters

Wer infolge massiver relativer oder absoluter Überforderung, mangelnder Pausen , der Unfähigkeit abzuschalten, Fast Food – Ernährung, überhöhtem Nikotin- oder Akloholabusus, fehlendem Schlaf, mangelndem Ausgleich, ständig schwelender Konflikte, genetischer Variationen, negativer Gedankenspiralen und manchem mehr unter Chronischem Stress steht, der hat nur dann eine Chance auf Besserung und Erhaltung seiner Gesundheit, wenn er zu entscheidenden Veränderungen in seinem Lebensmuster bereit ist.

Ernährungsumstellung

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Wer unter Stress steht, nimmt sich in der Regel nicht die Zeit für eine ausgewogene, gesundheitsfördernde Ernährung. Fast Food, ein Übermaß an Süßigkeiten, Kaffee und andere Aufputschgetränke sind typische Folgen chronischer Stressbelastungen. Verstärkt wird die Problematik durch zusätzlichen Nikotin- und Alkoholabusus. Stressreduktion beginnt also schon bei der Umstellung auf eine bewusste, ausgewogene und überwiegend naturbelassene Ernährung, die in erster Linie antioxidanzienreich (gedünstetes Gemüse, Salat, Obst) und kohlenhydratarm sein sollte. Besonders die Verwendung schnell ins Blut schießender Kohlenhydrate sollte vermieden werden. Die Zufuhr gesunder Fette und Öle ist ebenso wichtig, wie die deutliche Reduktion tierischer Proteine, die durch pflanzliche ersetzt werden sollten.

Körperliche Aktivierung

Schon lange ist bekannt, dass regelmäßige körperliche Aktivität gesundheitsfördernden und lebensverlängernden Charakter hat. Unter Stressbedingungen vermehrt gebildete Kohlenhydrate werden so in der Muskulatur verbrannt und verlieren damit ihren krankheitsfördernden Charakter. Die Sauerstoffversorgung der Organe und Gewebe wird bei konsequenter körperlicher Aktivität deutlich verbessert.

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Genauso werden Stresshormone wie Adrenalin bei regelmäßiger sportlicher Aktivität vermehrt abgebaut, was den Organismus entlastet. Auch die Stärkung von Herz und Kreislauf, mitunter sogar die Blutdrucknormalisierung bei vorausgegangener Blutdruckerhöhung, genauso wie eine Verbesserung der Kreislaufverhältnisse bei zuvor zu niedrigem Blutdruck sind positive Folgen regelmäßiger körperlicher Aktivität.

Besonders gut wirkt sich regelmäßige körperliche Aktivität auf das Autonome Nervensystem aus. Hier wird der Parasympathikus, der eine schonende und bremsende Funktion hat, gestärkt und damit die stressbedingte Belastung des Organismus deutlich reduziert.

Auch die unter körperlicher Aktivität vermehrte Ausschüttung von Endorphinen, Nerven-botenstoffen mit stimmungsaufhellenden Charakter, kann für stressgeplagte Individuen sehr hilfreich sein.

Wichtig ist, dass die körperliche Aktivierung individuell dem gerade vorhandenen Belastungsniveau angepasst werden muss, denn jedes zu viel ist hier eher schädlich denn gesundheitsfördernd. Darum ist es sehr sinnvoll, die körperliche Aktivierung infolge einer durchgeführten Spiroergometrie inkl. Laktatstufentest individuell anzupassen und einen passenden Trainingsplan zu entwickeln. Die vorgegebenen Belastungsstufen können dann z.B. über eine Pulsuhr kontrolliert werden.

Downregulation der Überlastung des Zentralnervensystems

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Von zentraler Bedeutung ist der Einsatz von Techniken und Methoden, die man mit dem Begriff Achtsamkeitsarbeit zusammenfassen kann. Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten konnte belegen, wie stark z.B. die Anwendung der Achtsamkeitsmeditation evtl. kombiniert mit sanften Yogaformen, wie man sie im MBSR- ( Mindfulness Based Stress Reduction) Training nach Prof. Kabat Zinn anwendet, zu einer Verbesserung bestimmter Gehirnfunktionen, einer Reduktion der Überaktivität des Sympathischen Nervensystems, einer Regeneration der Parasympathischen Bremsfunktion und einer deutlichen Verbesserung der Immunfunktion führen kann. Die Untersuchungen der Psychologin Britta Hölzel an Probanden, die ein 8-wöchiges MBSR Training mitgemacht haben, konnten dies im Funktions-MRT (Magnetresonanztomographie) des Gehirns eindrucksvoll untermauern. Dabei konnte ein Rückgang der Vergrößerung des Mandelkerns, eine Rückbildung der stressbedingten Verkleinerung des Hippocampus, der für Entspannung und Kurzzeitgedächtnis zuständig ist,und sogar eine Zunahme der grauen Substanz des Gehirns nachgewiesen werden. Wir haben also hier das erstaunliche Phänomen, dass mit bestimmten meditativen Techniken, die Struktur des Gehirns zum positiven hin verändert werden kann. ( Eine ausführliche Erläuterung der Achtsamkeitsarbeit inkl. der Forschungsergebnisse von Britta Hölzel hatten wir bereits per E-Mail übersandt)


Mit der Achtsamkeitsarbeit, die eng mit bewusster Atmung gekoppelt ist, können Menschen mit hoher Stressbelastung die notwendige geistige Distanz zu quälenden und stresserzeugenden Gedanken gewinnen und ganz generell ihr Gehirn nach und nach in einen Zustand bringen, der die chronische Hyperaktivität und damit die chronische Stressreaktion reduziert bzw. beseitigt. Ebenso hilfreich können dabei Methoden wie Qi Gong oder Tai-Chi sein, sie werden aber nur dann von bleibender Wirkung sein, wenn man die erlernte Achtsamkeit in den Alltag überträgt und so ein erhöhtes Bewusstsein für all seine Alltagsaktivitäten gewinnt. In aller Regel müssen Betroffene mit hoher Stressbelastung diese Übungen nicht nur regelmässig , sondern letzlich lebensbegleitend durchführen, wenn sie die Entwicklung chronischer Erkrankungen verhindern wollen.

Neurofeedback-Therapie – Optional

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Neurofeedback ist eine computergestützten Trainings- und Behandlungsmethode, mit der man die Charakteristik der eigenen Gehirnaktivität, die man üblicherweise ja nicht wahrnimmt, darstellt und durch bestimmte Übungen verändert. So kann z.B. die stressbedingt überhöhte Aktivität des Gehirns durch entsprechende Übungen im Verlaufe mehrerer Trainingssitzungen so stark reduziert werden, dass stressbedingte Symptome wie Schlafstörungen, depressive Verstimmungen oder gar Bluthochdruck nicht nur deutlich gebessert, sondern auch völlig beseitigt werden können. Dieser therapeutische Erfolg hat in der Regel bleibenden Charakter, da er auf der Fähigkeit des Gehirns, auf Wiederholungen mit strukturellen Veränderungen zu reagieren, beruht.

Dies ist besonders dann hilfreich, wenn die eigentlichen Stressoren, die das Gehirn in diesen Zustand manövriert haben, unbekannter Natur sind. Eine solche Konstellation liegt bei etwa 70% jener Betroffenen vor, die unter chronischem Stress stehen.

Eine Harmonisierung pathologischer Gehirnsaktivitäten kann so auch ohne eine Analyse der eigentlichen Hintergründe solcher Entwicklungen erreicht werden.Neben der eher medizinischen Anwendung wird Neurofeedback auch für Tiefenentspannung und Meditation eingesetzt.

Menschen, die bereits sehr gut auf ihrem Gebiet sind, wollen oft noch besser werden (Musiker, Spitzensportler, Manager). Diese stoßen immer häufiger auf Neurofeedback für Spitzenleistungstraining (Peak Performance Training).

Coaching - Therapeutische Intervention

Nicht in jedem Fall ist eine therapeutische Intervention erforderlich. Besonders bei intensiver Ausprägung krankmachender Persönlichkeitsstrukturen, wie sie durch den AVEM-Test belegt werden können und bei einer traumatischen Genese der pathologischen Stressbelastung i.S. eines Posttraumatischen Belastungs-Syndroms sollte eine zusätzliche therapeutische Unterstützung angestrebt werden. Sehr hilfreich sind hierbei hypnotherapeutische Ansätze, da sie den Patienten in engeren Kontakt mit seiner Intuition und damit seinem Unbewussten bringen. Erfahrungsgemäß sind sie rein analytischen Therapiemethoden vorzuziehen. Dasgleiche gilt für zusätzliche, körperorientierte Therapieansätze, die mitunter einer alleinigen gesprächstherapeut-ischen Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen überlegen sein können.